Hintergründe

Warum ausgerechnet Jack und Jackson?

Michael Rouven über die Hintergründe seiner Double-Leidenschaft

Warum Jack?

Von dem Tag an, als ich mir einen Bart stehen ließ und von Kontaktlinsen auf eine Nerd-Brille umgestiegen war, wurde ich immer wieder von verschiedenen Seiten auf meine Ähnlichkeit mit Johnny Depp hingewiesen, und wie der Zufall so will, habe ich es – genau wie der Schauspieler – schon immer geliebt, mit Hilfe von Kostümen, Perücken und Schminke in andere Rollen zu schlüpfen (ein Hobby, das ich im Rahmen meiner Tätigkeit als Michael-Jackson-Imitator perfektioniert und zu meinem Nebenberuf gemacht habe).

Aufgrund dieser Leidenschaft und der regelmäßigen Vergleiche mit Depps Aussehen hatte ich eines Tages die Idee, mich anlässlich einer Faschingsfeier als Piratenkapitän zu verkleiden. Die charakteristische Kombination aus Piratenweste, Rastalocken, Bart und einer Menge Eyeliner rief große Begeisterung bei den zahlreichen Partygästen hervor und wurde sogar mit dem ersten Platz des Kostümwettbewerbs honoriert.

Was als Faschings-Gag begann, entwickelte sich einige Zeit später zu einem weiteren nebenberuflichen Standbein, als ich beschloss, an den Wochenenden nicht nur als Michael Jackson, sondern auch als Johnny Depp aufzutreten und meine Double-Shows zusammen auf einer Website mit dem einschlägigen und klangvollen Namen „Jack and Jackson“ anzubieten. Die Vereinigung beider Berühmtheiten unter einem Dach hielt ich insofern für stimmig, als sich hinsichtlich ihrer Persönlichkeiten so einige Gemeinsamkeiten finden lassen.

Rein äußerlich hat Johnny Depp – genau wie Michael Jackson zu Lebzeiten – eine Vorliebe für Maskeraden, hinter denen er sich nicht nur in seinen Filmen, sondern auch im Privatleben gern versteckt (in letzterer Hinsicht ist besonders sein Faible für Fedora-Hüte und Sonnenbrillen hervorzuheben). Ähnlich wie einst Jackson überrascht Depp darüber hinaus bei seinen Auftritten in der Öffentlichkeit immer wieder mit einem neuen, extravaganten Look, der jene geheimnisvolle Aura der Unnahbarkeit verstärkt, für die gerade auch Michael Jackson berühmt war.

Wirft man einen Blick hinter die Fassade, offenbaren sich einem frappierende Ähnlichkeiten im Hinblick auf die inneren Werte der beiden Stars, die mit Attributen wie großzügig, sonderbar, sensibel, junggeblieben, exzentrisch oder auch humorvoll belegt werden können. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen, doch besonders hervorzuheben ist die außergewöhnliche Kinderliebe der beiden Familienväter: So wie Michael Jackson vollkommen selbstlos unzählige Kinderkrankenhäuser in seiner Freizeit besucht hat, nutzt auch Johnny Depp die Begeisterungsstürme, die ihm vor allem in seiner Rolle als Jack Sparrow entgegenschlagen, um kranken Kindern als schrulliger Pirat schöne (letzte) Augenblicke zu bescheren.

Nicht zuletzt spricht es für sich, dass die eine oder andere bizarre Filmfigur, die von Depp verkörpert wurde, durchaus Vergleiche mit Jackson zulässt, wenn man beispielsweise an den androgynen, künstlich wirkenden Willy Wonka oder den unschuldigen, empfindsamen Edward mit den Scherenhänden denkt (letzteres übrigens eine tragische Rolle, die auch Michael Jackson wie auf den Leib geschneidert schien und für die der Popstar sogar kurzzeitig von Regisseur Tim Burton in Betracht gezogen wurde).

Von all den genannten Parallelen zu Michael Jackson ist es vor allem Johnny Depps außergewöhnliche Wandlungsfähigkeit, für die ich ihn bewundere und die mein Interesse weckte, mir Biografien und Dokumentationen über Leben und Werk des charismatischen Schauspielers zu Gemüte zu ziehen und ihn zu imitieren. Große Anerkennung empfinde ich darüber hinaus auch für den Mut, den er bei seiner Rollenauswahl an den Tag legt, denn er spielt ausschließlich Charaktere, die ihn interessieren, und lässt sich weder von hohen Gagen, noch von der Aussicht auf kommerzielle Erfolge verleiten. Damit bleibt er sich selbst stets treu. Kaum zu glauben, dass er sich auch für seine exaltierte Rollengestaltung des Jack Sparrow erst behaupten musste, bevor die Studiobosse von Disney ihn gewähren ließen. Dabei war es ausgerechnet diese Filmfigur, für die Johnny Depp erstmals eine Oscar-Nominierung erhielt und mit der er endgültig zum Hollywood-Megastar avancierte und Filmgeschichte schrieb.

Jack Sparrow ist Kult und schon jetzt eine Legende, die garantiert auch zukünftige Generationen von Filmfans verzaubern wird. Für dieses großartige Vermächtnis möchte ich Johnny Depp herzlich danken – und für all die Inspiration, die von jener Piraten-Rolle ausgeht, die er er mit soviel Hingabe, Ideenreichtum und Originalität kreiert hat!

Thank you, Johnny, for creating Captain Jack Sparrow - you are a true inspiration!

Warum Jackson?

”Imitation is the sincerest form of flattery.” - Charles Caleb Colton

„Imitation ist die aufrichtigste Form der Schmeichelei“ – gern führe ich das berühmte Zitat an, wenn ich gefragt werde, warum ich Michael Jackson nachahme, denn ich imitiere den „King of Pop“ nicht nur, sondern verehre ihn zutiefst, und zwar nicht nur MJ, den Musiker, sondern auch MJ, den Menschen.

Diese Begeisterung begann im Jahre 1992, als ich mit offenem Mund und großen Kinderaugen das berühmte Bukarest-Konzert der „Dangerous Tour“ im Fernsehen bewunderte. Sofort war ich von Michael Jacksons Songs und der sensationellen Bühnenshow hin und weg – es kam mir vor wie Zauberei! Immer wieder spulte ich das strapazierte Videoband zurück, um hinter das Geheimnis des berühmten „Moonwalk“ und all der anderen faszinierenden Tanzschritte zu gelangen. Meine Welt drehte sich nur noch um MJ, den Videorecorder und den Spiegel, vor dem ich tanzte. In wochenlanger Arbeit brachte ich mir auf diese Weise ein umfangreiches Repertoire an Tanzschritten selbst bei. Zeitgleich gab ich mein gesamtes Taschengeld für alles aus, auf dem der Name „Michael Jackson“ prangte – CDs, Videos, Bücher, Fan-Magazine und vieles mehr. Es war der Beginn einer Sammlerleidenschaft, die bis zum heutigen Tag anhält.

Hatte ich mich in der Anfangszeit nur für Jackson als Entertainer begeistert, so interessierte ich mich zunehmend auch für seine Persönlichkeit. In seinem Interview mit Oprah Winfrey im Jahr 1993 entdeckte ich die menschliche Seite des Popstars und er wurde für mich in den darauf folgenden Jahren zu einem Vorbild, das meinen Charakter nachhaltig prägen sollte. So hielt ich ihn nicht mehr nur für einen unglaublich begnadeten Musiker, sondern empfand zunehmend großen Respekt für seine humanitären Leistungen wie seinen aufopfernden Kampf gegen Armut, Krieg, Rassismus oder Umweltverschmutzung und seinen besonderen Einsatz für hungernde Kinder und leidende Tiere. Es ist höchst bedauerlich, dass Michael Jacksons Wohltäter-Rolle oft im Schatten seiner Kunst und all der Negativschlagzeilen unterging und er stets viel zu wenig Anerkennung für diese besondere Facette seiner Persönlichkeit bekam. Leider interessierte sich die Öffentlichkeit mehr für die Skandale als für seine karitativen Aufopferungen.

Wie die meisten Menschen habe ich MJ nicht persönlich gekannt, doch dadurch, dass ich – wie jeder größere Fan – dank seltener Videoaufnahmen und Insider-Anekdoten zahlreiche Einblicke in sein Privatleben erhielt, lernte ich eine positive Seite an ihm kennen, die der breiten Masse oft verborgen blieb: So wie ihn alle Menschen, die sich in seinem nahen Umfeld bewegten, nahezu einheitlich als bodenständigen, liebenswürdigen und warmherzigen Menschen bezeichneten, bin ich nach meinem jahrelangen Studium dieser Person absolut überzeugt davon, dass Michael Jackson ganz und gar nicht jener skurrile Freak war, als der er in den Medien dargestellt wurde. Natürlich war er kein „normaler“ Mensch im Sinne unseres ohnehin sehr subjektiven und zweifelhaften Verständnisses von Normalität, doch wer kann nach einem derart kometenhaften Aufstieg in den Pop-Olymp als wohl bekanntester Weltstar aller Zeiten normal bleiben?!

Es wäre einer meiner größten Träume gewesen, Michael Jackson zu treffen. Zweimal habe ich ihn live gesehen, und zwar 1997 aus einiger Entfernung beim Berlin-Konzert der HIStory Tour und 2002 aus nächster Nähe auf dem roten Teppich bei der Bambi-Verleihung. Ein drittes Mal war 2009 in Aussicht, da ich Karten für eines der begehrten „This Is It“-Konzerte in London ergattern konnte. Doch aufgrund seines plötzlichen Todes blieb mir die Chance für immer verwehrt, ihm noch einmal gegenüberzustehen oder ihm vielleicht sogar persönlich die Hand zu schütteln und ihm zu sagen, was für ein großartiger Mensch und einzigartiger Künstler er ist.

Wo auch immer er nun sein mag – ich wünsche ihm sehnlichst, dass es jene bessere Welt ist, die er zu Lebzeiten hier auf Erden schaffen wollte; ein Ort, an dem er endlich glücklich sein kann, denn er hat es so sehr verdient, all die Liebe zurückzubekommen, die er unserer Welt ein Leben lang in Form seiner tiefgründigen Musik und humanitären Hilfe geschenkt hat. Er weilt nicht mehr unter uns und doch lebt er ewig weiter – in den Herzen derer, die ihn stets zu schätzen wussten und geliebt haben. So wird auch mein Herz immer für ihn schlagen, denn es ist nicht nur meine Vergangenheit, meine glückliche Kindheit und Jugend, die MJ so positiv beeinflusst hat. Auch in meinem gegenwärtigen und zukünftigen Leben wird er immer eine bedeutende Rolle spielen, und im bescheidenen Rahmen meiner Tätigkeit als Imitator gebe ich alles dafür, die Legende weiterleben zu lassen – Michaels Mythos, Magie und Musik. Denn er ist mein unsterbliches Idol!

Thank you so much for EVERYTHING, Michael! I will always love you!

Tipp: Lesen Sie hier alles über Michael Rouvens Biografie